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Moçambique #2: Das Ankommen (Wochenrückblick)

Nach unserer turbulenten Anreise, stehen uns nun ein paar ruhigere Tage bevor. Stück für Stück lernen wir unser neues Zuhause kennen und richten uns ein. Es scheint als wäre nicht viel passiert, dennoch fällt es mir schwer alles zusammen zu kriegen.


Es ist Montag und endlich hätten wir unseren wohlverdienten Schlaf nachholen können. Aber wir sind trotzdem früh wach. Natürlich hatten wir ausreichend Stunden schlaf gehabt. Dennoch wäre es befriedigender gewesen, wenn ich nicht vor 10 aufgestanden wäre. Aber was soll man machen. Heute steht eigentlich nichts weiter auf dem Plan, außer ankommen und sich die neue Umgebung angucken. Irmã (Schwester) Leyla führt uns über das Gelände, welches zum Schwesternorden gehört. Viele verschiedene Häuser, eine kleine Kapelle, große Gärten und einen kleinen Schweinestall gibt es auch. Wir können kleine Schweinebabys bestaunen, die vor einem Tag erst auf die Welt kamen. Gott, ist das niedlich. Und es stinkt. Vor dem Stall rennen Hühner verwirrt auf und ab.


Wir dürfen uns auch Moises Häuschen kurz anschauen, welches aufgrund akuter Hühner-Eindring-Gefahr umzäunt ist. Er hat ein ganzes Haus mit mehreren Raumen für sich. Das scheint zunächst unfair, jedoch sind die Schweine seine Nachbarn und er wohnt am anderen Ende des Geländes. Da bin ich mit unserem Häuschen doch ganz zufrieden. Wir bestaunen vom Garten aus die angrenzende Schule und sehen kein einiziges Kind. Werden wohl in den Klassen sitzen? Wir blicken durch den Zaun und sind auf den morgigen Tag gespannt. Denn heute passiert nix mehr spannendes, außer einer sehr langen und informativen Runde mit den Schwestern über Regeln und Abläufe. Wir verstehen noch nicht alles, aber fehlende Infos können im anschließenden gemeinsamen Gespräch unter uns abgeklärt werden. 


Am Dienstag beginnt der Tag wieder einmal früh. Denn heute beten wir gemeinsam mit den Schwestern. Anschließend wird gemeinsam mit Moisés gefrühstückt und dann nehmen wir uns die Schule mal unter die Lupe.
Irmã Fatima, die auch Direktorin der Schule ist, zeigt und alle Räume, erklärt uns die Funktionen und stellt uns den Klassen vor. Wir sagen alle unsere Namen auf und die Kinder wiederholen sie, um sie besser zu lernen. Natürlich ist „Tia Aisling“ nicht gerade einfach und fällt besonders den Kindern sehr schwer. Memo an mich selbst: zukünftig nur noch „Tia Aisy“. Wir gehen von Raum zu Raum und haben langsam eine gewisse Routine. Reinplatzen, den Unterricht stören, Vorstellungsrunde und ab in die nächste Klasse. Große Kinderaugen gucken mich an und beim Anblick der Kindergartenkinder schmelze ich beinahe dahin.


Heute wird aber noch nicht gearbeitet. Stattdessen wandern wir mit Irmã Leyla zur Kirche rüber und lernen den Pfarrer kennen. Die beiden unterhalten sich eine Weile und wir sitzen daneben. Ich versuche angestrengt das Gespräch zu verfolgen. Dafür reicht mein Portugiesisch leider nicht. Ich nicke und versuche freundlich auszusehen. Den Anderen geht es wohl ähnlich.

So. Erstmal Pause! Wovon auch immer. Aber ich sag euch, das ganze macht einen schon ganz schön fertig. Das Klima, das frühe Aufstehen… keine Ahnung was es genau ist, aber diese kleine „Mittagspause“ wird ab jetzt zur Tradition. Wir warten bis Nachmittag, mit der Hoffnung, die Sonne möge dann erwas gnädiger zu unserer zarten Haut sein, und entdecken endlich die Stadt.


Ok, möglicherweise ist „Stadt“ zu viel gesagt. Es ist wirklich sehr klein. Wir wandern die Haupstraße entlang und werden von allen angeglotzt. Ohje. Ich fühle mich etwas seltsam, wie wir hier entlang marschieren. Wie eine Gang. Guck mal da kommen die Weißen. Naja aber wie sollen wir denn auch sonst laufen? Keine Ahnung, aber wenn man so beobachtet wird kommt einem jede Bewegung auf einmal verkehrt vor. Wir watscheln die Straße fast bis zum Ende hinunter und klettern am Ende auf einen minimalen Hügel, um uns mal einen Überblick zu verschaffen. Wow, wir sind hier tatsächlich umzingelt von… nix? Kleine Hütten aus Lehm, umzingelt von einer unglaublichen Weite und den Bergen, die wir in jede Richtung erspähen können. Tja, willkommen in Afrika!


Abends führen wir Einzellgespräche mit Irmã Leyla, damit sie uns besser kennenlernen kann. Das Gespräch war überraschend angenehm. Dass ich nicht wirklich religiös bin scheint gar nicht mal das Problem zu sein. Das ich den Traditionen offen gegenüber stehe und auch gerne mal in das Christentum eintauchen mag, stimmt sie sehr zufrieden. Wahrscheinlich hatte sie nur Sorgen, dass ich mich bei einigen Sachen weigern könnte. Aber nein, ich wusste worauf ich mich einlasse und freue mich drauf. Das scheint sie auch zu freuen. Für sie bin ich eine „Suchende“, das ist für mich akzeptabel.


Mittwoch geht es endlich in die Schule. Irmã Fatima verteilt uns in die Klassen der „Escolina“, welches mit Kita und Vorschule vergleichbar ist. Ich bin bei den Mittleren gelandet. „Turma B1“ und am Nachmittag „B2“. 4-5 Jahre alt sind sie in der Regel. Gott sind die alle putzig. Irmã Argentina ist ebenfalls in der Klasse und bringt den Kindern grad die Buchstaben „G“ und „H“ bei. Gut dann kann ich ja glatt mit den Kindern zusammen lernen! Ich bin froh, dass ich für den Unterricht noch nicht allzu viel verstehen muss. Tio Gustavo ist Mentor der Klasse und ich werde in Zukunft viel Zeit gemeinsam mit ihm in der Klasse verbringen. 


Heute bleiben wir aber nicht lange in den Klassen, da wir noch Organisatorisches erledigen müssen. Irmã Leyla beauftragt uns damit, Lebensläufe auf portugiesisch zu entwerfen. Das wird ja witzig. Nach unserer „Siesta“ gehen wir wieder raus und trauen uns sogar von der Hauptstraße runter. Wir gehen auf einen kleinen Markt und erforschen da die kleinen Stände. Wir kaufen uns Brot und wandern wieder Heim. Wieder sind wir die Hauptatraktion, sodass selbst der Marktschreier auf uns aufmerksam wird und uns mit einbeziehen will. Ohje, wie unangenehm. Alle Köppe drehen sich zu uns um. Schnell weg!


Donnerstag ist keine Schule, da heute ein Nationalfeiertag ist. Wir sind etwas verwirrt wie der Ablauf jetzt genau sein wird. Wir watscheln erstmal in die Schule. Dort haben sich die Kinder aufgestellt und wir stellen uns noch einmal allen vor. Anschließend wandern wir mit allen anderen Schulen der Stadt und andern Menschen gemeinsam zum… ja was ist das eig für ein Platz? Ich kann es nicht genau sagen. Sowas wie der Marktplatz? Jedenfalls steht da eine Statue oder so und der Bürgermeister und andere wichtig aussehende Personen halten Reden. Anschließend tanzen kleine Mädels aus unserer Schule etwas gemeinsam mit den Lehrerinnen vor. Alle sind verzückt und ich hätte die Mädels aufessen können. Die haben alle mehr Rythmus im kleinen Zeh als ich im ganzen Körper. Wunderbar! (Eines der wenigen deutschen Wörter, die anscheinend jeder kann). Es war Wunderbar.


Anschließend laufen wir zurück und werden von einigen Kindern belagert, die gerne Händchen halten wollen. 


Da wir jetzt jede Menge Freizeit haben starten wir nach unserer „Siesta“ eine kleine Wanderung zum nächstgelegenen Berg. Immer der Nase nach. Natürlich gibt es keinen richtigen Weg. Es geht steil Bergauf. Blos nicht abrutschen. Hier und da kokelt eine Pflanze etwas. Generell sieht hier alles ganz schon verbrannt aus. 


Oben angekommen, genießen wir den Ausblick etwas und versuchen die einzelnen Häuser Metaricas zu identifizieren. Der Ausblick ist wunderschön. Wir entdecken einen Berg der wohl unser nächstes Ziel sein wird. Falls wir irgendwie dahinkommen. Schwer zu sagen wie weit der Weg  tatsächlich ist. 


Wir entdecken einen Fußballplatz und beschließen dort mal vorbei zu schauen. Anscheinend spielen hier grad 2 verschiedene Schulen gegeneinander. Wir schauen eine Weile zu und entdecken dann ein Kiosk. Unser Highlight des Tages: eine kühle Dose Cola für jeden. 


Abends wollen wir den Tag mal wieder gemütlich mit underer Serie ausklingen lassen, doch die Mädels (angehende Schwestern des Ordens) setzten sich mit den Schwestern zusammen. Es wird geschnackt und genascht. Leider ist diese glibberige Süßspeiße nicht so unser Fall. Ich glaube ich habe einen Zuckerschock. Aber schön was dennoch, mal bei den Einheimischen zu sitzen.


Freitag gehts wieder in die Schule. Jedoch ist verkürzter Unterricht. Grund dafür war der Jahrestag von SMMP, dem Schwesternorden bzw. der Organisation mit der wir nach Mosambik sind. Der Gründungstag wird gefeiert. Denn SMMP ist inzwischen 210 Jahre als geworden. Also gibt es eine kindgerechte Erklärung, um was für einen Tag es sich heute handelt. Verschiedene Professoren rennen durch die Klassen und erklären den Kindern was los ist. Mit großen Augen glotzen die Kinder den Lehrer an. Das konnte ich sogar verstehen. Großartig! Zur Feier des Tages gibt es heute Brot und Saft zum Mittag. Highlight waren jedoch die „chuppa chuppas“ die es für jedes Kind und für jeden Mitarbeiter gibt. Auch wir freuen uns auf die Lutscher. Die Kinder der „Escolina“ haben eigentlich kaum verstanden, was heute los ist. Für viele war heute einfach nur „Dia de chuppa chuppa“.   Später gibt es den gleichen Ablauf für die Nachmittagskinder.

So endlich Wochenende. Ausschlafen, juhu! Wir machen uns Freitag Abend gerade bettfein, da taucht Irmã Felicada vor der Tür auf und erklärt uns, dass nix mit ausschlafen ist. Um 7 Uhr treffen wir uns im Garten zum arbeiten. 


Oh Freude. Also schnell ins Bett und Samstag früh aufgestanden. Wir helfen bei der Manyokernte und schälen sie auch anschließend. Es ist eine ausgelassense Stimmung, mit viel Gesang. Schnell habe ich eine Blase am Finger, aber so allmählich habe ich den dreh raus. Es tut sogar gut mal „körperlich“ zu arbeiten.

Nachmittags steht das Putzen an. Samstag ist hier nämlich immer Putztag, was tatsächlich keine schlechte Idee ist. Zwar ist es bei uns gar nicht mal so schmutzig, aber so wird alles mal wieder geordnet. Ich vermisse meinen begehbaren Kleiderschrank. Denn soooo viel Platz haben wir hier zu Dritt jetzt nicht wirklich. Was hier ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist: Müll verbrennen. Auch Toilettenpapier und sogar Plastik(!). Ja da tut einem das Öko-Herz etwas weh, aber andere Länder andere Sitten. Wenigsten wird es nicht einfach auf die Straße geworfen.

Sonntag ist Kirchentag. Wir stehen wieder einmal früh auf und beten zunächst mit den Schwertern in der hiesigen Kapelle. Nach dem Frühstück gehts dann mit rock und schicker Frisur in die Kirche, die direkt nebenan ist. Vielen wird suf Makua gesprochen. Ich versteh natürlich nix. Es wird viel gesungen und getanzt. Schließlich gehet Irmã Leyla nach vorne und wir watscheln ihr bedröppelt hinterher. Oh nein. Sie hält eine kleine Rede und stellt nochmal den Orden und uns als neue MaZ’s vor. Unangenehm! Ich möchte mich schnell hinsetzen.

Der restliche Tag gehört nun uns. Wir kriegen von den Schwestern was zu essen und entspannen ansonsten. Spielen Karten und wandern mal wieder ziellos durch die Stadt. 


Am Nachmittag erfahren wir, dass im Dorf jemand verstorben ist. Die Schwestern machen sich auf, um der Person die letzte Ehre zu erweisen. Wir werden auch gefragt und gehen mit. Anschließend machen wir ein Spaziergang durch das Dorf und besuchen ein paar Menschen. Unter anderem Ambrosio, der uns in Nampula abgeholt hatte. Irmã Leyla erklärt uns, dass es Brauch ist, sich 3 Mal zu waschen, wenn man jemanden die letzte Ehre erwiesen hat.

So geht die erste Woche ruhig und nachdenklich zuende. Wir freuen uns jedoch auf die nächsten Wochen, denn dann beginnt endlich die „richtige Arbeit“.



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