Lifestyle Social Volunteer

Und wieso eigentlich Mosambik?

Ja, das höre ich in letzter Zeit oft und das ist in der Tat eine sehr gute Frage. Generell habe ich das Gefühl, dass Momentan jedes Gespräch mit alten oder neuen Bekannten gleich verläuft. Es sind in der Regel jede Menge Fragen zu meinen kurz- und langfristigen Plänen. Und man kann es ja auch niemanden verübeln, schließlich stelle ich ähnliche Fragen, wenn ich mich mit jemandem unterhalte. Es ist ein Zeichen von Interesse oder die Menschen wollen auch einfach nur höflich sein. Schließlich bin ich ja auch keine Anfang 20 mehr und habe bald meinen 2. Hochschulabschluss in der Hand. Da stellt sich doch natürlich die Frage: Und was ist dann?

Ja was soll dann schon sein? Ich bin immer noch die gleiche Aisy, nur habe ich anscheinend jede Menge Zeit am Schreibtisch und in der Uni verplempert, um dann noch einen weiteren Wisch (neben dem Wisch vom Abitur und Bachelor) in den Händen zu halten, welches beurkundet, wie intelligent ich doch bin. Ja, jetzt gehöre ich zur Bildungselite. Oder zumindest ab dem Sommer, wenn alles gut geht. Und was genau bedeutet das nun? Und wieso will denn nur jeder zur Elite gehören? Ich habe nicht das Gefühl, dass ich jetzt unfassbar mehr Wissen habe als vorher. Klar, habe ich Lebenserfahrungen gesammelt oder wie auch immer man das nennen mag. Aber die haben ja nichts mit dem Studium zutun. Also ich bin jetzt quasi erwachsen… oder eigentlich bin ich doch schon so richtig erwachsen oder? Dann kann ich mir ja endlich einen gut bezahlten Job suchen, um weitere Jahre am Schreibtisch zu verbringen. Schließlich will man ja eine Familie gründen und die will man auch ernähren können. Und zu spät sollte man auch nicht anfangen, weil man will ja nicht erst mit 40 Kinder kriegen. Aber vorher wird noch Kariere gemacht. Und bitte auch Heiraten, damit die Großeltern sich freuen können und Mutti beruhigt ist. Aber bevor die Kinder kommen, hat man sich natürlich vollkommen ausgelebt und den Partner fürs Leben gefunden. Puh, was ein spannendes Leben.

„Reisen ist besonders schön, wenn man nicht weiß, wohin es geht. Aber am allerschönsten ist es, wenn man nicht mehr weiß, woher man kommt.“ Laotse

IMG_2838_Fotor
© D. Jacobi

Wieso muss ich eigentlich einen Plan haben? Ich hatte bis jetzt ehrlich gesagt immer Glück, was meinen persönlichen Werdegang anging. Irgendwie hatte sich immer alles so gefügt, sodass ich meiner spontanen Eingebung und meiner Laune nachgehen konnte und es am Ende tatsächlich Sinn ergeben hat. Viele haben deshalb den Eindruck, dass ich weiß was ich da tue. Aber der Schein trügt. Ich hatte mein FSJ abgebrochen, weil ich keinen Spaß mehr dabei hatte und mich dann erst fürs Studium beworben. Irgendetwas sollte man ja schon tun. Ich habe tatsächlich nur eine Bewerbung geschrieben und es hat gleich geklappt. Wenn es nicht geklappt hätte, hätte ich auch kein Plan B gehabt. Eigentlich habe ich auch einfach nur irgendwas studiert um etwas zutun und im Nachhinein festgestellt, dass es mir auch wirklich liegt und viel Freude bereitet. Und so verlief das oft bei mir. Weil ich mich dumm angestellt hatte, verlor ich meinen Nebenjob und bekam parallel ein Angebot für einen anderen Job. Vielleicht macht mich diese Tatsache momentan etwas übermütig und ich werde irgendwann da sitzen und tatsächlich verzweifelt feststellen, dass ich keine Ahnung habe, wie es weiter gehen soll. Und dann klopft das Glück nicht an der Tür mit einem Überlebenspaket. Aber auch das wird vorüber gehen.

Auch jetzt haben sich meine Pläne wie von allein entwickelt. Was will ich eigentlich mit meinem Studium anfangen? Keine Ahnung! Mein Studium hat den Schwerpunkt im Management, doch ich merke, dass mir dieses Thema nicht liegt und mir keinen Spaß macht. Ui, in einem Jahr hat es sich ja schon „aus-studiert“ und ich muss mir einen richtigen Vollzeitjob suchen. Einen Job wo man nur am Wochenende frei hat und ich nicht mehr tagsüber machen kann was man will. Urlaubstage sind dann auch nur noch begrenzt. Also nichts mehr mit spontanem Kuba-Urlaub oder 4 Wochen Roadtrip…

„Wer denkt, Abenteuer seien gefährlich, sollte es mal mit Routine versuchen: Die ist tödlich.“ Paulo Coelho

Leider habe ich es irgendwie verpasst ein Auslandjahr einzulegen. Weder im Abi, noch im Studium hatte ich die Gedanken. Sogar mein FSJ hätte ich ja theoretisch auch im Ausland machen können. Jetzt bin ich fast fertig mit dem Studium und kann kein Auslandsemester mehr machen und auf eigener Faust los reisen kann ich mir nicht leisten. Und Mutti fragt schon, wann ich denn nu mal gedenke richtig Geld zu verdienen. Naja keine Ahnung, irgendwas werde ich dann schon finden. Aber ich habe doch gerade erst das Reisen für mich entdeckt. Eigentlich zieht es mich mehr raus in die Welt…

Ende letzten Jahres saß ich also mal wieder völlig gelangweilt in irgendeinem Finanzwirtschaftsseminar und unterhielt mich mit einem Kommilitonen über NGO´s, da er da sehr bewandert auf dem Gebiet ist. Er erzählte mir von einigen Organisationen die Freiwillige ins Ausland schicken unabhängig von Studium und Ausbildung. Das Angebot gilt für junge Erwachsene unter 28 Jahren. Das klang super und er schrieb mir ein paar Adressen auf. Und so schaute ich zuhause nach und bewarb mich für 2 Stellen, die ganz gut klangen. Ich nahm mir nur die erste Adresse vor, die er mir gab und schaute auch nur die ersten 3 Seiten durch. Ich schickte einfach die Standart-Bewerbungsunterlagen per Mail los. Ich bekam eine schnelle Antwort, dass die Bewerbungsfrist schon vorbei war. Upsi, es gab eine Frist? Doch eine zweite Antwort kam und es war eine Zusage. Also soll es nicht Südafrika sein. Aber Bolivien wollte mich anscheinend. Somit hatte ich dann doch wieder einen Plan.

„Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele: Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur. Höchste Zeit ist’s! Reise, reise!“ Wilhelm Busch

IMG_2903_Fotor
© D. Jacobi

Also ging es zum ersten Wochenendseminar, wo ich die anderen Freiwilligen kennenlernte und auch die Organisation. Es ist eine christliche Organisation, womit ich aber keine Probleme habe. Solange sie mich nicht bekehren wollen, finde ich es ganz spannend mal ein Jahr in einer christlichen Gemeinde zu leben. An dem Wochenende gibt es einige Kennenlern-Seminare und viele Informationen zur Organisation, zu den Ländern und den einzelnen Projekten. Ich wollte nach Bolivien, um mit Kindern zu arbeiten und mein lausiges Spanisch zu verbessern. Außerdem schickt die Organisation auch noch Freiwillige nach Rumänien, Brasilien und Mosambik. Ich merke schnell, dass die meisten nach Südamerika wollen und fragte mich wie wohl die Chance auf eine Stelle waren, wenn jeder dahin mag.

Nachdem uns die Länder und die Projekte vorgestellt wurden, war ich mir immer noch sicher, dass ich nach Bolivien wollte. Ich wollte einfach schon immer nach Südamerika. Aber das Projekt in Mosambik klang für mich eigentlich auch ganz spannend und bevor ich keine Stelle kriege, setzte ich es auf die dritte Stelle in meiner Wunschliste. Die ersten beiden waren unterschiedliche Stellen in Bolivien.

Zum nächsten Seminar hatten wir nochmal genügend Zeit uns Gedanken zu allem zu machen. Da alles demokratisch abläuft, wurde durch die Organisation eine Vor-Einteilung in die Länder vorgenommen, anhand der Wunschliste. Aber diese diente nur als Diskussionsbasis und war keine feste Einteilung. Schließlich sollte jeder glücklich mit seiner Stelle sein. Bei Mosambik wurde plötzlich mein Name aufgerufen. Alle außer mir saßen also in ihren Wunschländern und mussten nur noch die Einsatzstelle klären. Etwas bedröppelt ging ich zu der Mosambikgruppe, die aus 2 weiteren Mädels bestand. Noch etwas verwirrt huschte ich immer mal hin und her. Ich horchte in die Diskussion der Boliviengruppe (sie wurden sich nicht einig, wer wohin geht) und machte mit der Mosambikgruppe schon kleinere Urlaubspläne. Und irgendwie war mir dann klar, dass ich einfach nach Mosambik gehen sollte. Es war zwar ein anderer Kontinent, eine andere Sprache, eine andere Kultur und ein anderes Projekt als ich ursprünglich geplant hatte, aber es fühlte sich richtig an. Das dachte sich auch noch ein anderer Freiwillige und wechselte von der Brasiliengruppe zu uns. Somit sind wir jetzt 4 junge Menschen, die im August für 9-10 Monate nach Mosambik reisen.

„Ich glaube, der glücklichste Moment im Leben eines Menschen ist eine Abreise in unbekannte Länder.“ Sir Richard Francis Burton

IMG_2860
© D. Jacobi

Meine Motivationen waren zum einem, dass wir 2 Monate Ferien haben und somit genug Zeit hatten, dass Land kennen zu lernen und  zu bereisen. Die anderen haben lediglich ein paar Urlaubstage. Außerdem gibt es dort verschiedene Einsatzstellen und wir werden immer mal rotieren. Dazu kommt, dass wir unser Zwischenseminar in Malawi haben, also werde ich auf jeden Fall noch ein weiteres Land kennenlerne. In Mosambik wird Portugiesisch gesprochen. Also werde ich noch eine fünfte Sprache lernen müssen, das auch nur gut sein kann. Die Einsatzstellen in Mosambik sind wohl auch etwas anspruchsvoller, weshalb es mich als Sozialarbeiterin natürlich mehr reizt dahin zu gehen. Außerdem wollte mich die Organisation gerne als Fachkraft dort haben, da sie eine neue Stelle eröffnet haben und Hilfe gebrauchen können. Der Letzte und wichtigste Grund wieso es nun doch Mosambik geworden ist: Ich will helfen! Klar reizt es einen in eine schöne Stadt in Südamerika zu ziehen, wo es ein Nachtleben gibt und Samba getanzt wird. Aber Mosambik ist das 5. ärmste Land der Welt und dort möchte ich helfen. Dann ist es mir auch egal, wenn ich Abends nicht mehr auf die Straße darf oder keine Clubs in der Nähe sind. Das wird ganz bestimmt eine tolle Erfahrung! 🙂

aisyklein

Advertisements

12 comments on “Und wieso eigentlich Mosambik?

  1. Wow, das hört sich einfach nur toll an!
    Ich war gerade für ein Semester in Indonesien und es war die beste Zeit meines Lebens. Man macht großartige Erfahrungen, lernt tolle Menschen kennen und vor allem sich selbst.
    Ich wünsche dir eine richtige tolle Zeit dort und freue mich ab August mehr darüber lesen zu können! 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Danke! Da hast du Recht. Ich bin auch gespannt wie mich das vielleicht verändern wird. Bestimmt nur positiv. Indonesien steht auch auf meiner Liste, das muss toll gewesen sein!

      Gefällt mir

  2. Du hast ein so schönes Lächeln ! Die Bildfarbe ist toll getroffen ! ♥

    Genieß den Tag,

    Jule

    http://jule-elysee.blogspot.de/

    Gefällt mir

  3. Ein richtig schöner Beitrag! 🙂 Ich versuche auch während meines Studiums so viel wie möglich von der Welt zu sehen, denn noch habe ich quasi mehr oder weniger die Zeit dazu 🙂

    Liebe Grüße,
    Anna
    von https://whenanna.com/

    Gefällt 1 Person

  4. fabianaschauer

    Wow, unglaublich. Ein richtig schöner Beitrag!
    Ich freue mich auch auf die kommenden Reiseziele 🙂
    Ich bin gespannt, wie es bei dir weitergeht…:)
    Liebe Grüße,
    Fabian

    Gefällt 1 Person

  5. Hallo,
    ein ganz toller Beitrag, spannende Pläne und eine super Lebenseinstellung!
    Bin schon gespannt, wie es weitergeht 🙂
    Liebe Grüße, Lisa

    Gefällt 1 Person

  6. Ich finde es richtig toll, dass du jetzt noch als Freiwillige weg gehst. Ich werde jetzt im Sommer nach dem Abi als Freiwillige in Mexico sein. Ich glaube in jedem Alter das eine ganz großartige Erfahrung:))

    Gefällt mir

  7. Ich finds toll, dass du jetzt noch als Freiwillige weg gehst. Ich werde im Sommer für ein Jahr in Mexico als Freiwillige sein und ich glaube das ist in jedem Alter eine ganz besondere Erfahrung!:)

    Gefällt mir

  8. Ich finde es toll, dass du jetzt noch einen Freiwilligendienst machst! Ich gehe jetzt im Sommer nach meinem Abitur für ein Jahr nach Mexico als Freiwillige und ich denke, dass dies in jedem Alter eine ganz besondere Erfahrung ist:))

    Gefällt 1 Person

  9. Toller Beitrag! Ich finde es klasse, dass du jetzt noch einmal ins Ausland gehst bzw. generell einfach das machst worauf du Lust hast! 👍 Wünsche dir eine schöne Zeit in Mosambik! 😊 Ich habe es leider auch verpasst in Schule oder Studium ins Ausland zu gehen, hatte damals aber auch nicht das Bedürfnis – jetzt bereue ich es ein bisschen 🙈 Bin jetzt auch nicht mehr die Jüngste, haha, aber sehe die Zukunft auch eher locker wie du…schließlich muss man ja später eh noch genug Jahre arbeiten! 😜

    Liebe Grüße,
    Eleonora von from the outset // personal lifestyle blog

    Gefällt 1 Person

Hinterlasst mir gern euren Feedback

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: