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Haltestelle Woodstock

Die Sonne knallt uns seit 3 Stunden schonungslos auf den Kopf, alle um uns herum stinken nach Schweiß und liegen auf dem Bahnhofsboden herum. Ich auch. Mir wird es hier eindeutig zu eng. Und zu warm. Ich watschle über die Gleisen um noch irgendwo ein schattiges Plätzchen zu ergattern und werd von einem Bahnhofsmenschen verscheucht, obwohl hier schon seit Stunden kein Zug mehr fuhr. Völlig verschwitzt und dehydriert setze ich mich mit meiner Freundin an eine Hauswand und puste ein paar Seifenblasen in die Luft. Meine Allroundmedizin für bescheuerte Situationen.
Obwohl die Festivalsaison noch nicht begonnen hat, müsste ich doch an einige lustige Wochenenden zurück denken. Ich war jetzt schon auf ein paar wenige Festivals und keines verlief je so chaotisch wie das Woodstock-Wochenende in Polen.

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Über das Festival
Haltestelle Woodstock ist ein Rockfestival in Küstrin und findet seit 1995 jedes Jahr im August statt. Hintergrund ist wohl eigentlich, dass sich jährlich für das soziale Engagement bedankt wird. Besonderen Dank gilt den Menschen, die Spenden für diverse Krankenhäuser in Polen einsammeln konnten. Organisiert und auch finanziert wird es von der Stiftung „Das Große Orchester der Weihnachtshilfe“.
Das Festival ist kostenlos und somit nicht jedes Mal übersät mit internationalen Headliner. Obwohl auch schon Bands wie The Prodigy, Volbeat und The Bosshoss in Küstrin aufgetreten sind.

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Die Anreise
Es war jetzt bereits mein zweites Mal auf dem Woodstock Festival und jedes mal war es ein Abenteuer. Für gewöhnlich reise ich mit dem Auto zu Festivals bzw. mein Freund fährt. Aber abgesehen davon, dass mich mein Freund zu der Zeit mal nicht rumkutschieren konnte, fährt von Berlin aus ein Zug nach Küstrin. Mit meinen Freunden treffen wir uns dann mit allen anderen Festivalmenschen am Berliner Bahnhof Lichtenberg und nehmen den etwa einstündigen Zug nach Polen. An Bahnhof sollte man erstmal sein Geld umtauschen, falls man gedenkt dort etwas einzukaufen. Abgesehen davon muss ja auch der Shuttlebus bezahlt werden.

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Dann beginnt natürlich erst der anstrengende Teil: Lager finden und Zelte aufbauen. Da wir uns immer ein ruhiges Plätzchen hinten in den Wäldern suchen, müssen wir ziemlich lange vollbepackt durch die feiernde Menge wandern und uns dann den Hügel hoch kämpfen. Und das natürlich bei 30 Grad. Wir sind zum Glück ziemlich unkompliziert. Jeder hat nur ein Zelt dabei. Und natürlich den ganzen Quatsch wie Essen, Trinken, Schlafsack, Zahnbürste. Aber wir bauen jetzt kein großes Lager mit Tischen und Pavillons auf. Schnell alles in die Zelte geworfen und ab zum Festivalgelände.

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Liebe, Freundschaft, Musik
Ich muss ehrlich gestehen, dass ich kaum einer der Bands kannte, dennoch habe ich super viel Spaß gehabt. Dadurch, dass man keinen bestimmten Künstler sehen muss, kann man ganz entspannt über das Gelände schlendern und einfach immer dort stehen bleiben, wo es einem gefällt. Es gibt, wenn ich mich recht entsinne 3 Bühnen. Und obwohl es sich um ein Rockfestival handelt, wird auch elektronische und poppige Musik gespielt.

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Auf dem Gelände gibt es außer den Bühnen natürlich auch eine Essens-Meile. Tatsächlich habe ich mir bis jetzt nie Essen auf das Woodstock mitgenommen (bis auf Snacks). Es wäre alles zu schwer zum tragen gewesen und da wir kein richtiges Lager hatten, wäre es etwas kompliziert mit dem Kochen geworden. Aber das Essen auf dem Gelände ist super günstig und war ganz ok. Auf einem Festival ist man irgendwie nicht mehr so mäklig. Auch Getränke haben wir uns Vorort gekauft, es sei denn man mag speziellere Sachen haben. Aber mir reichen Wasser, Softdrinks und ab und zu mal ein kühles Radler.

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Es gibt auch eine Meile mit Souvenirs und anderen Klimbim. Dort sind wir mal kurz durchgelaufen und haben uns die tollen Sachen angeschaut. Kaufen tu ich aber an solchen Ständen eher selten etwas, da ich nicht alles mit mir rumschleppen mag und es mir meistens zu teuer ist. Witzig ist aber auch das Krishna-Dorf am Ende des Geländes, wo getanzt, gemalt, gegessen und Yoga gemacht wird. Lohnt sich auf jeden Fall mal vorbei zu schauen und man muss keine Angst haben, dass man dort bekehrt wird.

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Für Alle, denen das Wochenende noch nicht aufregend genug war, gibt es auf dem Gelände noch die Möglichkeit auf dem Riesenrad zu fahren oder einen Bungie-Sprung zu wagen. Ich für meinen Teil, hatte aber auch so genug Spaß mit meinen Freunden und habe die Musik genossen. Schließlich ist das auch das Festival-Motto: Liebe, Freundschaft, Musik.

Das Chaos
Wenn man davon absieht, dass wir uns ständig verloren hatten, verlief das Wochenende ziemlich entspannt. Doch die Abfahrt war ein riesiges Durcheinander. Erst einmal mussten wir natürlich völlig verstrahlt unsere Sachen vom Berg wuchten und durch die Masse und die Mittagshitze schleppen, um dann den Bus zu verpassen. Wir warteten ewig und kamen in die nächsten 2 Busse gar nicht erst rein. Ein paar von uns entschieden zu laufen und wir entschieden uns dafür um jeden Preis in den nächsten Bus zu kommen. Tatsächlich kamen wir ziemlich gleich schnell an.

Am Bahnhof mussten wir auch wieder ewig auf den Zug warten, in den wir dann natürlich auch wieder nicht rein kamen. Dann setzten gleich mehrere Züge aus und es folgte ein Zug mit 2 Wagons. Glücklicherweise verteilten die Bahnmenschen dann Wasser an die, in der Sonne brutzelnde Masse. Der Bahnsteig quillte über und alle liegen unkontrolliert über die Gleisen. Nach 4 Stunden hatten wir es tatsächlich alle in den Zug geschafft und fuhren erleichtert Richtung Berlin.

Obwohl die Heimreise wirklich an meinen Nerven zerrte und die Übernachtung im Zelt nicht die angenehmste war, hoffe ich darauf, dass ich es dieses Jahr wieder dahin schaffe und werde auch wieder todesmutig die Bahn nehmen. Vielleicht kommt da wieder eine erzählenswerte Geschichte bei rum.

aisyklein

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1 comment on “Haltestelle Woodstock

  1. klingt ja absolut geil!!

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